| |
Gestern war es wieder so weit! Nach geschlagenen zwei Monaten hatte ich mal wieder Grund, mich bei dschob.te dem wohl bekanntesten Stellenservice im Internet einzuloggen. Per E-Mail war ein interessantes Stellenangebot angekündigt worden. Schnell das schon etwas angestaubte Bookmark angeklickt. Die Maus fährt - ohne dass die Grafik schon geladen ist - an die richtige Stelle für den Prämien-Login, zwei Finger beginnen mehr als fahrig die nötige Zeichenkette einzutippen. Dann der Schock! Welche Zeichenkette? Sieben kurzatmige Druckimpulse auf die "Back-Taste". Ruhig bleiben! Konzentrieren und - ein neuer Anlauf. War es nicht der Lieblingsschokoriegel? Verdammt, nein! Ich seh nur noch Sternchen. War es doch der Name des verträumten Fischrestaurants an der Algarve? Quatsch! Der war ja reserviert fuer GMix, für wenn man das Spaßwort nicht mehr weiß. Neues Nachdenken. Nur nicht verkrampfen. "Fischer2", weil es ja jetzt zwei Minister mit Namen Fischer gibt. Ach nein, kann nicht, weil das war ja schon das Passwort bei "Wer-Weiß- Das", wo ich als Experte für Politik und Kryptologie fungiere. Back to the roots. Noch mal ganz logisch und von Anfang an die Sache analysieren. "gohome4711", das Passwort für die Einwahl bei meinem Provider. "edeimhcstxet", darauf kann wirklich keiner kommen, fuer mein E-Mail- Postfach. "Was gibt es in der Schwarzwaldklinik?" war die Musterfrage für den Fall, dass bei Frier-Mail von Wepp.de mal das Passwort nicht zur Hand ist. Letzteres lautet, eigentlich logo, "Milchmädchenrechnung". Der Blick fällt auf einen kleinen unscheinbaren Zettel in gefährlicher Nähe der PC-Lüftungsschlitze. Alle Hoffnung manifestiert sich in diesem Stückchen Papier. Gott sei Dank, der Computer atmet gerade nicht ein. Zitternd umklammere ich mit schwitznassen Händen den Hoffnungsfetzen. "Beam.me.up1998". Enttäuschung macht sich breit. Das war ohne Zweifel das Passwort für den FTP-Login auf meinem Webserver. Könnte man sicherheitshalber auch mal wieder ändern, vielleicht auf "scottie1999"? Eine unerwartete Stimme von hinten wirft mich fast vom Stuhl. "Heute wieder einen neuen Rekord bei der Onlinezeit aufge...". Die Stimme aus dem Nichts kann nicht zu Ende sprechen, wird übertönt - von einem Jubelschrei aus meinem Munde. "Teuerkomm"!!! Das ist es. Eine unendliche Last fällt von meinen Schultern. Mein Blick wird wieder etwas klarer und ich erkenne meine Ehefrau, die direkt neben mir steht. Eine heftige Umarmung, die mit einem Blick ungläubigen Erstaunens erwidert wird. Inzwischen hackere ich schon wieder fleißig auf die Tastatur ein: t-e-u-e-r-k-o-m-m. Endlich, man gewährt mir Einlass. Ein Klick auf das Inserat: Gesucht wird eine Online-Redakteurin(!!) mit mindestens drei Jahren Interneterfahrung. Alles vergeblich!? Nein, nicht ganz! Ich schreibe alle geistig reaktivierten Passwoerter fein säuberlich auf einen Zettel. Auf Laufwerk E richte ich dann eine passwortgeschützte Datei ein. Inhalt der Datei: eine leicht verständliche Beschreibung zum Auffinden des Passwortzettels... © 1999 Jens Oliver Krystof |
| © 1998-2008 Jens Oliver Krystof, Mitglied im Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) Diese Webseite gehört zu www.textschmiede.de |