| |
Tagtäglich werden wir im Web mit neudeutschen Begriffen konfrontiert. Vieles hat man als Durchschnitts-User - oder sagen wir besser: Otto Normalverbraucher - schon verinnerlicht, einiges aber geht immer noch schwer über die Lippen. Als Webmaster, der seine Besucher entgegenkommend behandeln möchte, sollte man vielleicht auch einmal überdenken, wo diese neumodischen Fremdworte angebracht sind, und bei welchen Gelegenheiten man besser darauf verzichtet. Burkhard Lerch hat sich dieses Problems einmal angenommen und eine Liste von Begriffen (leider nicht mehr online) publiziert, "auf die man getrost verzichten kann". Dass ein Airport nichts anderes als ein Flughafen ist, wissen wir. Ein Berater, der viel auf sich hält und sich von der Masse abheben möchte, macht sich kurzerhand zum Consultant. Aus unseren Kindern haben clevere Werbestrategen längst Kids gemacht, Kleinigkeiten bezeichnen wir nicht erst seit der Schneider-Affäre als Peanuts. Sie sehen es schon, mit der Notwendigkeit, diese neudeutschen Begriffe zu verwenden, ist es nicht weit her. Schwieriger wird es da schon mit Internet-Grundbegriffen wie Hyperlink. Könnte der Gegenüber etwas mit einem Sprungverweis anfangen? Fraglich. Und die kleinen Dateien, die Mängel an einer Software beheben, als Flicken statt als Patch zu bezeichnen, ist wohl auch etwas gewagt. Apropos Patch: Getreu der Wortbedeutung müßte man einige Softwareprodukte eines Redmonder Produzenten eigentlich als Patchwork bezeichnen. Manche "Zurück-Deutschung" erfährt bei nüchterner Betrachtung auch eine ungewollt komische Wirkung. Man denke nur an den Screenshot, der auf einmal zum Schirmschuss wird. Ob eine Umbenennung von "Sitemap" in "Inhaltsverzeichnis" und die damit einhergehende Erhöhung der Seitenabrufe eine Ausnahme darstellt oder wirklich repräsentativ ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Etwas mehr über den Gebrauch der eigenen Sprache nachzudenken, ist bestimmt nicht verkehrt. Und wenn mit dem Notebook, das ich mir im Herbst anschaffen werde, alles reibungslos klappt, nenne ich es bestimmt nur noch "Klapp-Computer". © 1999 Jens Oliver Krystof |
| © 1998-2008 Jens Oliver Krystof, Mitglied im Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) Diese Webseite gehört zu www.textschmiede.de |