Naturkost auf RädernNaturkost auf Rädern

Es ist sieben Uhr morgens. Anke Schroters steht vor ihrem umgebauten VW-Bus und stapelt Gemüsekisten. Der Inhalt ist jedoch kein gewöhnliches Gemüse, sondern zu 100% ökologisch erzeugter Spinat. Ohne Kunstdünger und Spritzmittel angebaut sind auch die anderen Waren, die in ihrem Lieferfahrzeug schon Platz gefunden haben: Frühkartoffeln, Zuckermöhren, Buschbohnen, verschiedenste Salate, Äpfel der Sorten Ingrid Marie und Gravensteiner, Eier aus kontrollierter Freilaufhaltung. Jetzt im Spätsommer ist das Angebot an Naturkost aus der Region sehr groß und ihr Wagen ist bis unter das Dach beladen. Wenn sie in etwa einer Stunde die ersten Kunden des Tages beliefert, wird keiner fragen, warum denn das Gemüse fast das Doppelte wie im Supermarkt kostet. Denn Anke Schroters, seit einem halben Jahr selbständige Unternehmerin, hat fast durchweg Stammkunden. Und die wissen um die ökologischen und sozialen Vorteile biologischer Landwirtschaft. Nicht nur das gute Gefühl, etwas für die Umwelt getan zu haben, sondern auch das intensivere Aroma der Früchte und der unverwechselbare Geschmack des Bio-Gemüses lassen den tieferen Griff ins Portemonnaie verschmerzen.

Als Mutter dreier inzwischen fast erwachsener Kinder kam Anke Schroters ihre Geschäftsidee schon vor Jahren beim Einkauf im Naturkostladen. Das Schleppen schwer gefüllter Taschen mit drei kleinen Kindern an der Hand bzw. im Kinderwagen war immer wieder eine mittlere Tortur. Außerdem war, trotz des rührigen Engagements des Inhabers, nicht immer alles so taufrisch, wie man sich das gewünscht hätte. Frische Naturkost auf Abruf bis zur Wohnungstür geliefert, das war es, was sie sich vorstellte. Mit dem Größerwerden der Kinder war ihre Zeit gekommen. Ein gebrauchter Lieferwagen und ein kleines Lager mit Kühleinrichtung, mehr brauchte Anke Schroters außer dem Gewerbeschein nicht, um ihre Idee umzusetzen. Gestaltete sich anfangs die Kundenaquisition noch recht schwierig, ist der Lieferservice heute beinahe ein Selbstläufer. Kunden aus der gesamten Niederrheinregion und dem westlichen Ruhrgebiet freuen sich tagtäglich auf Ankes natürköstliche Leckereien. Ein großer Teil der Ware ist erst am Vortag von Ökolandwirten der näheren Umgebung, die sie alle persönlich kennt, geerntet worden. Frischer geht es kaum. Sonderwünsche und kurzfristige Änderungen, die im Laufe eines Tages auf ihren Anrufbeantworter gesprochen werden, setzt die sympathische Jungunternehmerin noch am gleichen Abend um, wenn sie bei ihren Lieferanten neue Ware ordert. Trotz voller Auftragsbücher hat Anke Schroters während ihrer Liefertouren immer noch Zeit für ein nettes Gespräch mit den Kunden und ein offenes Ohr für deren Sorgen. Mit für Otto Normalverbraucher so exotisch klingenden Produkten wie Topinambur, Alfalfasprossen, Postelein oder Pastinaken wechseln dann nicht selten schmackhafte Rezepte den Besitzer. Und Anke Schroters strahlt mit ihren Kunden um die Wette.

 

© 1998-2003 Jens Oliver Krystof, 
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